Was?

"Die Linke machte einmal den Fehler anzunehmen, daß sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte; oder umgekehrt: daß alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll – nicht zuletzt für die Linke selbst.” Moishe Postone, 1974

"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse." Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009

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Samstag, 2. Februar 2013

„Goldene Morgenröte“ gründet erste Parteizelle in Deutschland!


Die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche grie­chi­sche Par­tei „Chry­si Avgi“ (Gol­de­ne Mor­gen­rö­te) soll nach einem Be­richt des Nürn­ber­ger Bünd­nis Na­zis­topp die erste Par­tei­zel­le in Deutsch­land in der Stadt der Reichs­par­tei­ta­ge ge­grün­det haben. Mit einer ei­ge­nen Seite ist die Zelle auch im In­ter­net prä­sent. Am 6. Mai ver­gan­ge­nen Jah­res schaff­te die ul­tra­rech­te Par­tei zum ers­ten Mal mit 21 Sit­zen den Sprung ins grie­chi­sche Par­la­ment. Bei der Wahl am 17. Juni er­hiel­ten sie bei 6,9 Pro­zent Stim­men­an­teil 18 Sitze. Im Mo­ment wer­den ihr bei Um­fra­gen um die 12 Pro­zent der Wäh­le­rIn­nen­stim­men zu­ge­schrie­ben. Im täg­li­chen Leben fal­len die Par­tei­mit­glie­der durch Über­fäl­le auf Mi­gran­tIn­nen und Linke und wei­te­ren oft be­waff­ne­ten Ge­walt­tä­tig­kei­ten auf.
„Einem In­ter­ne­tauf­tritt und einem Hin­weis aus der grie­chi­schen Lin­ken (Sy­ri­za) zu­fol­ge grün­de­te sich eine lo­ka­le Zelle der grie­chi­schen Neo­na­zi­par­tei „Chry­si Avgi“ (etwa: Gol­de­ne Mor­gen­rö­te) An­fang Ja­nu­ar in Nürn­berg. Zwei Texte auf der Neo­na­zi-​Home­page sind un­ter­schrie­ben mit „Lang lebe unser Füh­rer Ni­ko­la­os Micha­lo­lia­kos“. Micha­lo­lia­kos be­stritt laut Me­dien­be­rich­ten öf­fent­lich den Ho­lo­caust und be­zeich­ne­te Hit­ler in einem In­ter­view als eine „große Per­sön­lich­keit des 20. Jahr­hun­derts“ (www.​focus.​de, 15.​5.​12).
Über­setz­te Text­pas­sa­gen aus der oben er­wähn­ten Home­page: „Die erste Zelle in Deutsch­land bzw. in ganz West­eu­ro­pa (Über­schrift, Red.). Heute Nach­mit­tag, den 07/01/2013, in NÜRN­BERG, in DEUTSCH­LAND, wurde die erste Ta­gung der neu­ge­grün­de­ten ers­ten Zelle der gol­de­nen Mor­gen­rö­te in West­eu­ro­pa, ab­ge­hal­ten. Die Aus­lands­grie­chen ant­wor­ten auf die dre­cki­gen Hip­pies und das Re­gime der de­mo­kra­ti­schen Dik­ta­tur in un­se­rer Hei­mat. (…) Wir er­war­ten das Trom­pe­ten­si­gnal un­se­res Füh­rers, NI­KO­LAUS MICHA­LO­LIA­KOS, um uns wie ein ge­wal­ti­ger Strom auf der gan­zen Erde aus­zu­brei­ten und den End­sieg zu er­zie­len.“ Ziem­lich an­ti­se­mi­tisch wird es dann hier:„Also, ihr Zins­wu­che­rer ver­steht end­lich, dass un­se­re Wut nicht mehr zu­rück­ge­hal­ten wer­den kann. Meine Her­ren, Euer Ende ist so nah, dass ihr es schon spürt.“
Auf der Nürn­ber­ger Mor­gen­rö­te Seite fin­den sich u.a. Links zur fa­schis­ti­schen Um­welt Be­we­gung Grie­chen­lands sowie zur ex­trem rech­ten grie­chi­schen Frau­en­be­we­gung „whi­te­wo­men­front“. Diese wie­der­um ver­linkt auf den NPD Frau­en­ver­band„Ring Na­tio­na­ler Frau­en“ (RNF). Die rech­te grie­chi­sche Um­welt­sei­te ver­weist auf in­ter­na­tio­na­le ul­tra­rech­te Um­welt­sei­ten und Ma­ga­zi­ne, so auch auf das deut­sche öko­fa­schis­ti­sche „Um­welt und Aktiv“. Ge­hos­tet wird die Seite über den Goog­le Blog „Blog­ger“. Als Kon­takt­adres­se ist ge­nannt: xa.​nurnberg@​gmail.​com
Auf­ge­ru­fen wird auf der Seite der Nürn­ber­ger Par­tei­zel­le für den von „Chry­si Avgi“ or­ga­ni­sier­ten „Imia-​Marsch”. Die­ser fin­det jedes Jahr am 2. Fe­bru­ar in Athen statt. Hin­ter­grund ist ein Kon­flikt um die von Grie­chen­land und der Tür­kei be­an­spruch­ten zwei klei­nen Mit­tel­meer­in­seln „Imia“ (grie­chi­sche Be­zeich­nung) bzw. „Kardak“ (tür­ki­sche Be­zeich­nung). Folg­lich wird gegen die tür­ki­sche Re­gie­rung und den tür­ki­schen Staat pro­tes­tiert. „Tau­sen­de Na­tio­na­lis­ten aus ganz Eu­ro­pa wer­den er­war­tet“ schreibt dazu das na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche In­for­por­tal24 in einer Mel­dung zur grie­chi­schen Mor­gen­rö­te, die heute u. a. vom rech­ten Por­tal „Ex-​K3-​Ber­lin“ und dem „Frei­en Netz Süd“ (FNS) über­nom­men wor­den ist. Bei der Mor­gen­rö­te ist im Plakat­text unten zwei­mal das zum fa­schis­ten Par­tei­lo­go ge­hö­ren­de „Kel­ten­kreuz“ ent­hal­ten, beim FNS ein­mal. Dies ob­wohl es in Deutsch­land im „rechts­ex­te­mis­ti­schen Zu­sam­men­hang“ ver­bo­ten ist.
Für den Ver­band Grie­chi­scher Ge­mein­den (OEK)“ – mel­det das Bünd­nis Na­zis­topp – „ist die Grün­dung der Neo­na­zi-​Zel­le in Nürn­berg „un­er­wünscht“ und eine Schan­de für Grie­chen­land und Eu­ro­pa.“
Das Bünd­nis be­rich­tet auf seine Web­sei­te:
„Der Dach­ver­band ruft in einer ak­tu­el­len Stel­lung­nah­me die in Deutsch­land le­ben­den Grie­chIn­nen auf, allen Ver­su­chen von Neo­na­zis, „Ge­walt, In­to­le­ranz und so­zia­len Kan­ni­ba­lis­mus“ zu pro­pa­gie­ren, eine Ab­fuhr zu er­tei­len. Auf die his­to­ri­sche Sym­bo­lik der Grün­dung einer Neo­na­zi-​Zel­le in Nürn­berg wird ver­wie­sen, eben­falls auf die Morde an Mi­gran­tIn­nen durch Neo­na­zis in der Bun­des­re­pu­blik.
Erst vor ei­ni­gen Wo­chen rie­fen in Deutsch­land le­ben­de Grie­chIn­nen zu einer Un­ter­schrif­ten­ak­ti­on mit dem Titel „Nichts Gol­de­nes an die­ser Mor­gen­rö­te“ auf. Ein Aus­zug aus die­sem Text, der unter an­de­rem von den Schau­spie­le­rIn­nen Maria Ke­ti­ki­dou, Adam Bous­dou­kos und Kos­tas Pa­pa­na­st­a­siou un­ter­schrie­ben wor­den ist:
„Wir sind er­schüt­tert von den täg­lich an Bru­ta­li­tät zu­neh­men­den und ras­sis­ti­schen Über­grif­fen der neo­na­zis­ti­schen Chry­si Avgi, der so­ge­nann­ten Gol­de­nen Mor­gen­rö­te. In un­se­rem All­tag waren wir es ge­wohnt, über Ras­sis­mus und Ge­walt­ta­ten zu reden, die wir als Mi­gran­ten in Deutsch­land er­le­ben, und uns dazu zu ver­hal­ten. Wir wer­den nie die Bil­der von den An­grif­fen der Neo­na­zis auf Mi­gran­ten und Flücht­lin­ge 1992 in Ros­tock ver­ges­sen, bei denen Schau­lus­ti­ge Bei­fall klatsch­ten und die Po­li­zei ta­ten­los zu­schau­te, wäh­rend all das live im Fern­se­hen über­tra­gen wurde. Wenn die Ge­sell­schaft die Augen vor sol­chen Phä­no­me­nen ver­schließt, wun­dert es dann, dass Neo­na­zi-​Or­ga­ni­sa­tio­nen, wie die NSU, sich er­mu­tigt füh­len, Mi­gran­ten um­zu­brin­gen? Und wie kürz­lich her­aus­kam, mit der Ver­wick­lung des Ver­fas­sungs­schut­zes?
Es trifft uns und macht uns gleich­zei­tig wü­tend, dass ähn­li­che Er­eig­nis­se in Grie­chen­land all­täg­lich ge­wor­den sind. In­zwi­schen kön­nen dort die Neo­na­zis der Chry­si Avgi, sogar unter den Augen der Po­li­zei, un­ge­hin­dert zu­schla­gen. Wir kön­nen es nicht fas­sen, dass in einem Land, in dem der Fa­schis­mus Hun­dert­tau­sen­de Opfer und tiefe Wun­den hin­ter­las­sen hat, kri­mi­nel­le Neo­na­zis zu Ab­ge­ord­ne­ten ge­wählt wur­den, ihrer Par­tei im Fern­se­hen eine Bühne ge­bo­ten wird, ihnen mit Feig­heit be­geg­net wird und sie of­fen­sicht­lich mehr als un­ter­schätzt wer­den.““
Es darf nicht sein, dass neben deut­schen Neo­na­zi­grup­pie­run­gen und den fa­schis­ti­schen tür­ki­schen „Grau­en Wöl­fen“ jetzt auch grie­chi­sche Na­tio­nal­so­zia­lis­ten hier Par­tei­struk­tu­ren schaf­fen. Neue Na­zi­struk­tu­ren müs­sen im Ge­gen­teil ver­hin­dert sowie die be­ste­hen­den zer­schla­gen wer­den. So­li­da­ri­tät mit den in Grie­chen­land unter den un­vor­stell­ba­ren so­zia­len und öko­no­mi­schen Kür­zun­gen lei­den­den Men­schen heißt auch, gegen den Ver­such der „Gol­de­nen Mor­gen­rö­te“ hier Struk­tu­ren zu eta­blie­ren aktiv zu wer­den.

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