Was?

"Die Linke machte einmal den Fehler anzunehmen, daß sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte; oder umgekehrt: daß alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll – nicht zuletzt für die Linke selbst.” Moishe Postone, 1974

"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse." Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009

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Mittwoch, 27. Juni 2012

Antisemitismus von links

Antisemitismus von links
Kritik aus rätekommunistischer und anarchistischer Perspektive

Daß es innerhalb der politischen Linken Judenfeindschaft gab und gibt,
ist bekannt. Weniger bekannt ist die sehr frühe Kritik daran. Franz
Pfemfert, Rätekommunist und Mitbegründer der KPD, wies Anfang der
1920er Jahre auf judenfeindliche Äußerungen innerhalb der
kommunistischen Bewegung hin. Er hatte die Partei 1920 verlassen und
zeigte in seiner Zeitschrift “Die Aktion” ihre Entwicklung zu einer
nationalistischen und stalinistischen Kaderpartei auf. Zur gleichen
Zeit registrierte Leo Trotzki judenfeindliche Tendenzen in der
Sowjetunion, sprach sie jedoch kaum öffentlich an. Das passierte erst
1937, während der Moskauer Schauprozesse, in seinem postum
veröffentlichten Text “Thermidor und Antisemitismus”. In ihren
Reiseberichten aus Sowjetrußland zitierten die US-amerikanische
Anarchistin Emma Goldman und ihr Lebensgefährte Alexander Berkman aus
Gesprächen mit Jüdinnen und Juden über eine neue Form der
Judenfeindschaft. Diese Berichte waren nicht einstimmig: Manche waren
den neuen Machthabern dankbar, andere sprachen hingegen von “stillen
Pogromen”. Ein Jude erklärte Goldman und Berkman, der Bolschewismus
habe “die antisemitische Einstellung der Massen verstärkt”. Der
Vortrag rekonstruiert die Motive, warum Berkman, Goldman, Alexandra
Ramm-Pfemfert, Franz Pfemfert und Trotzki etwas kritisierten, was
vielen anderen innerhalb der kommunistischen Linken nicht einmal
auffiel. – Es spricht Olaf Kistenmacher (Hamburg). Als Historiker
betreute er die Sendereihe “Antisemitismus von links” im Freien
Sender-Kombinat; letzte Veröffentlichungen u.a. “‘Mein Leben war mit
dem der Juden verknüpft‘. Zur Wiederveröffentlichung von Emma Goldmans
Autobiographie lsquo;Gelebtes Leben‘” (Jungle World N° 11 vom 17. März
2011) und “‘Klassenkämpfer wider Willen‘. Die KPD und der
Antisemitismus in der Weimarer Republik” (Jungle World N° 28 vom 14.
Juli 2011).

Anhören: http://audioarchiv.k23.in/Referate/ISF_Freiburg/Kistenmacher-Antisemitismus-von-links_2011-11-16.mp3

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