Was?

"Die Linke machte einmal den Fehler anzunehmen, daß sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte; oder umgekehrt: daß alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll – nicht zuletzt für die Linke selbst.” Moishe Postone, 1974

"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse." Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009

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Montag, 23. April 2012

Feuer und Flamme für den Judenstaat

Die öffentliche Verbrennung von Flaggen westlicher Länder – insbesondere der Flagge Israels und der USA – ist in der islamischen Welt ein gesellschaftliches Event, ein gemeinschaftsstiftendes Ritual, ein Happening vergleichbar den traditionellen Protesten gegen den Castor-Transport in deutschen Landen.
Von Nordafrika bis Pakistan nehmen vorzugsweise Männer daran teil und erwecken dabei den Anschein spontaner Empörung, obwohl es zur Durchführung des Rituals im Vorfeld gewisser Vorkehrungen bedarf. Nicht immer ist eine industriell gefertigte Flagge zur Hand, oft genug müssen die für das Feuer bestimmten Tuche in mehr oder weniger mühsamer Eigenarbeit hergestellt werden. Ägypter, Palästinenser, Jordanier, Libanesen, Iraner, Iraker und Pakistanis hocken also auf dem Boden und bemalen weiße Rechtecke mit Stars & Stripes beziehungsweise mit dem Davidstern. Das Ergebnis ist mitunter enttäuschend. Eine Stilkritik.


Hier kommt westliche Technik zum Einsatz, um bei der Zerstörung eines mit viel Wohlwollen als israelische Flagge zu bezeichnenden Stoffs einen halbwegs imposanten Effekt zu erzielen. Aber seien wir ehrlich: Überzeugend ist das nicht.


Diese Ägypter haben sich bei der Fertigung der Fahne eher wenig Mühe gegeben, dafür ist der Akt als solcher ein Augenschmaus für jeden Pyromanen.


Schauplatz Jordanien: Diese Herren haben sehr nachlässig gearbeitet. Die roten Streifen sind im Verhältnis zu den weißen viel zu dünn, und statt der Sterne hat man doch tatsächlich nur einige Kreuzchen (!), ja, man muss es sagen: hingerotzt wie auf den Lottoschein. Da hilft auch die Entschuldigung nichts, dass Herstellung und Verbrennung zeitlich in einem eklatanten Missverhältnis zueinander stehen, schließlich ist das beim Kochen und Essen genauso. Pfusch!


Auch hier wurde geschludert. Den Union Jack zieren lächerlich dünne Streifen, die wie mit Wachsmalstiften ausgemalt scheinen, und auf der US-Flagge prangen blaue Pentagramme auf weißem Grund. Geht gar nicht.


Dieser Herr verzichtet auf die kollektive Entrüstung und zieht die traditionelle Show allein durch. Nicht ganz ungefährlich, es hat durchaus schon tragische Unfälle gegeben.


An der wohl im Handel erworbenen Flagge ist nichts auszusetzen, allerdings hat sie jemand in seiner Wut auf den großen Satan verkehrt herum an der Stange befestigt. Auch wenn das Malheur vor imposanter Kulisse passiert ist: kein Drama. Schließlich wurde schon der Heilige Petrus kopfüber gekreuzigt.


In diesem Fall müssen wir jedoch schimpfen. Die Flagge Marke Eigenbau hängt komplett verkehrt herum. Offenbar hat sich niemand bemüßigt gefühlt, „Das blaue Viereck nach oben links!“ zu rufen. Jetzt haben wir den Salat.


Kommen wir zu einem wirklich desaströsen Produkt. Das star spangled banner ist komplett misslungen, das blaue Feld schließt nicht oben ab, wir sehen nur vier, deutlich zu dick geratene Streifen, und die Anzahl der Sterne beläuft sich, auch wenn ein Schuh das schamhaft zu verdecken versucht, auf gerade einmal zwölf von fünfzig. Bei der israelischen haben die pakistanischen Wutbürger die blauen Streifen, die nach arabischem Narrativ für Nil und Euphrat stehen, schlicht vergessen, und wofür die beiden mit Kreuzen bemalten Rechtecke stehen sollen, bleibt ein Mysterium. Die Schweiz? Dänemark? Das Rote Kreuz? Sämtliche Optionen wären dramatisch schlecht umgesetzt. Enttäuschend.


Wo sogar T-Shirts und Oberhemden knapp sind, bleibt auch das Rohmaterial für Flaggen Mangelware – geschenkt. Das rechtfertigt jedoch nicht die schludrige Bemalung insbesondere des US-Banners! Diese Jungs müssen noch viel lernen.


Vor der Stürmung der israelischen Botschaft in Kairo bringen sich die Demonstranten auf ihre Art in Stimmung. Blau ist out, stattdessen setzt man im Arabischen Frühling auf ein frisches Türkis. Kann man unter „künstlerische Freiheit“ verbuchen.


Nein, das ist, Entschuldigung, popelig: Unter Verzicht auf eine Stange hält man das lieblos bearbeitete Laken (die Streifen nur hauchdünne Striche, der Davidstern viel zu groß und unproportioniert) mit der Hand fest, während es angezündet wird. Das ist billig, das ist nichts. Auch der Schlappen, mit dem auf das Objekt eingeprügelt wird, kann den verheerenden Gesamteindruck nicht aufpolieren.


Diese Israelkritiker brennen ein fast kreisrundes Loch in die bewusst unperfekt gestaltete Flagge mit dem Davidstern. Auch im arabischen Raum ist also durchaus die eine oder andere Innovation möglich. Ist da vielleicht noch mehr zu erwarten?


Tatsächlich! In Jordanien hat man eine US-Flagge um ein Grautier mit vier Buchstaben sowie eine israelische Flagge mit minderwertigem Schuhwerk drapiert. Die Stimmung ist allerdings mäßig, ein Mann hält das Bild für die Nachwelt fest, drei weitere feixen, der Rest schaut indifferent drein oder wendet sich sogar ab. Offensichtlich muss sich diese interessante Variante erst durchsetzen. Kann allerdings dauern, im Orient.


Im Irak erfreut sich diese Version als Alternative zum öden Zebrastreifen großer Beliebtheit. Entspannt schlendern die Menschen über eine XXXL-Flagge Amerikas, womöglich zu einer McDonald´s-Filiale, was dem ganzen eine pikante Note gäbe. Dennoch: Das hat was!


Oha, ein Promi! In einem ansonsten eher uninspirierenden Ambiente demonstriert kein Geringerer als Mahmud al-Zahar, einer der Altvorderen der demokratisch gewählten Hamas, dass er Israels Politik für kritikwürdig hält. Allerdings sieht er von einer Verbrennung des Fußbodenbelags demonstrativ ab, was seine grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft klar unterstreicht.
Herr Lüders, übernehmen Sie!

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