Was?

"Die Linke machte einmal den Fehler anzunehmen, daß sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte; oder umgekehrt: daß alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll – nicht zuletzt für die Linke selbst.” Moishe Postone, 1974

"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse." Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009

Diese Plattform ist ein Zusammenschluss parteiunabhängiger und autonomer linker Gruppen und Personen in Bayern.

Donnerstag, 15. September 2011

Ist der Begriff "Islamophobie" ein Kampfbegriff gegen Islamkritik?

Ist der Begriff "Islamophobie" ein Kampfbegriff gegen Islamkritik?

Diese Frage wollte Klaus Blees von der NGO "Aktion 3.Welt Saar" am Dienstag in Erlangen klären.
Die Veranstaltung wurde organisiert vom LAK Shalom der Linksjugend Bayern und Haskala Bayern, einer Plattform gegen Antisemitismus. Die Moderation übernahm Frank Heinze von den autonomen Linken.


Um die 60 interessierte BesucherInnen hatten sich dazu im Freizeitzentrum Frankenhof eingefunden. Wie groß das Interesse am Thema ist, zeigte sich an der fast zweistündigen, intensiv aber fair und offen geführten Diskussion, die sich an den vierzigminütigen Vortrag anschloss.

Blees führte aus, “Islamophobie” bezeichne die Diskriminierung und Verfolgung von Moslems aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Das Wort ist angelehnt an die Begriffsbildungen “Homophobie” für
Schwulenfeindlichkeit und “Xenophobie” für Fremdenfeindlichkeit. Als “islamophob” werden jedoch nicht nur gegen Moslems hetzende Rechtsextremisten gebrandmarkt, sondern oft auch säkulare oder linke
Islamkritiker, die aus einer emanzipatorischen, religions- und herrschaftskritischen Perspektive argumentieren. Dabei ist es nicht nur aufschlussreich, zu sehen, gegen wen sich der Vorwurf der “Islamophobie” häufig richtet, sondern auch, wer ihn so alles erhebt. In Großbritannien hat die 1953 in Jordanien im Umfeld der
Moslembruderschaft gegründete Hisb ut-Tahrir eine Kampagne "Stoppt die Islamophobie“ gestartet. Diese Gruppe arbeitete in Deutschland, wo sie mittlerweile verboten, aber nach wie vor aktiv ist, mit Neonazis
zusammen, unterstützt Selbstmordanschläge in Israel und möchte weltweit die Scharia einführen.

Das Referat stützte sich auf die vielfältigen bisherigen Veröffentlichungen von Blees (u.a. „Konkret“,der „Jungle World“ und in der Quartalszeitschrift "Materialien und Informationen zur Zeit" (MIZ) ). Dort führt er weiter aus:

Der Sinn derartiger Kampagnen gegen "Islamophobie“ liege damit auf der Hand: Kritikern islamischer Unterdrückungspraktiken die Mäuler zu stopfen und widerwärtige Menschenrechtssimulationen wie die "Kairoer Erklärung" aus der Schusslinie zu halten, auch mit dem Versuch, strafrechtliche Sanktionen der Islamkritik im internationalen Recht zu verankern. Die Relativierung oder Leugnung von Antisemitismus durch
seine Gleichsetzung mit "Antiislamismus" vernebelt darüberhinaus den Blick auf die in großen Teilen des islamischen Einflussbereichs grassierende Judenfeindschaft und den virulenten Wunsch nach
Vernichtung Israels, die sich durch diese Täter-Opfer-Umkehr der Benennung und Verurteilung entziehen lassen. Da braucht es nicht zu verwundern, dass Nazis in diesen Chor mit einstimmen, nicht wenige von
ihnen sogar zum Islam konvertieren, zumal es auch sonst weitgehende ideologische und politische Übereinstimmungen gibt.

Nun lasse sich einwenden, der Islamophobie-Vorwurf werde zwar häufig instrumentalisiert oder in inflationärer, missbräuchlicher Weise benutzt, doch schaffe diese Feststellung nicht den Tatbestand der Islamophobie selbst und einer massiv zunehmenden Diskriminierung von Moslems aus der Welt. Doch ist es wirklich angebracht, von einem solch spezifischen Tatbestand auszugehen? Der aus Indien stammende britische Publizist Kenan Malik hat dies für Großbritannien untersucht und aufgrund seiner Befunde verneint. Moslems sind von Diskriminierung betroffen, aber in der Regel nicht wegen ihres Glaubens. Hauptbedingungen von Diskriminierungen sind vielmehr Faktoren wie Klassenzugehörigkeit und Hautfarbe, bei Moslems wie Nichtmoslems.

Im Gegensatz zu Islamkritik wendet sich reaktionäre Islamfeindschaft nicht gegen die inhumanen Merkmale des Islam, sondern lehnt ihn ab, weil er als „fremd" wahrgenommen wird, fremd im völkischen und / oder
religiösen - meist christlichen - Sinne. Dies geht einher mit der Abwertung von Moslems als Menschen, einschließlich abwertender Bezeichnungen wie „Musels" oder „Ziegenficker" sowie Forderungen der
Art, alle Moslems auszuweisen. Für diese Szene sind Schlagworte wie „Überfremdung" oder „Türkisierung" charakteristisch.

Häufig wird der Begriff  aber auch bei antirassistischen Gruppen und in der Friedensbewegung verwendet. Darin sei hauptsächlich eine kulturrelativistisch begründete falsche Toleranz zu sehen. Oft sind es
Menschen, die sich als links und antirassistisch verstehen oder in der Flüchtlingsarbeit tätig sind, die es als Ausdruck von „Solidarität“ betrachten, wenn sie die in den Herkunftsländern herrschenden Kollektivzwänge wie etwa Zwangsverheiratung oder Schleierpflicht unkritisiert lassen. „Die haben halt eine andere Kultur...“, heißt es dann.

Diese Toleranz ist falsch und bringt einen Rassismus mit antirassistischem Anstrich hervor. Migranten werden von Teilen des friedensbewegten und antirassistischen Spektrums als einer anderen,
beispielsweise moslemischen Kultur zugehörig wahrgenommen, in der andere als die „westlichen" Werte gelten und zu gelten haben. Das Anlegen der ethischen Maßstäbe der Aufklärung, der Moderne, gilt dann als paternalistisch und eurozentristisch und im Fall moslemischer Communities als „islamophob". Doch was ist es anders als reaktionär, kollektive Zwangsidentitäten, die für die Individuen oft die Hölle
bedeuten, unter Bestandsschutz zu stellen, Gruppenrechten den Vorrang vor individuellen Freiheitsrechten zu geben?

Unterdrückungsverhältnisse sind zu kritisieren und zu bekämpfen, gleich, wie sie ideologisch legitimiert werden, ob religiös oder areligiös. Während allerdings das Christentum, wenn auch nicht
überall, durch Aufklärung und Säkularisierung geschwächt, gezähmt, zu einem gewissen Grad auch »verweltlicht« ist, gilt dies für große Teile islamischer oder islamisch dominierter Länder einschließlich der
Diaspora nicht. Der Entrechtung, Demütigung und gewaltsamen Verfolgung von Menschen durch orthodoxen Alltagsislam in Form von beispielsweise Kopftuchzwang, Zwangsverheiratungen, Ehrenmorden oder Homophobie ist kompromisslos entgegenzutreten. Alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung. Den grassierenden Antisemitismus und Antiamerikanismus hinzunehmen oder herunterzuspielen, der im politischen Islam im Extremfall die Form des Jihadismus und des eliminatorischen Judenhasses annimmt, verbietet das von Adorno formulierte Diktum.

Dieser kategorische Imperativ schließe die Solidarität mit Israel und seiner Selbstverteidigung ebenso ein wie die Bekämpfung der Taliban in Afghanistan und die Notwendigkeit, das Ende des iranischen Mullahregimes herbeizuführen.

Zum Abschluss und als Resumee wurde von der Moderation der Nürnberger Publizist Robert Kurz zitiert:

"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse."  Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009

Mittwoch, 7. September 2011

Ellen Brombacher - Die kommunistische Plattform und die Wiedergutwerdung der Deutschen

Vom hilflosen Antifaschismus zum hilflosen Antisemitismus
“Diese Entjudung ist nicht nur personell durchzuführen – durch Beseitigung aller Juden und Judenknechte aus Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung. Es geht um die Tilgung jeglicher Spur Judengeistes aus der deutschen Kultur”. Richard Arnold, (1.4.1933 Eintritt in die NSDAP, Mitglieds-Nr. 1 792 249), später Träger des Vaterländischen Verdienstordens der DDR in Bronze
Ellen Brombacher (Mitglied im BundesprecherInnenrat der Kommunistischen Plattform in der LINKEN.) hat sich zu Wort gemeldet: “Es ist sehr zu begrüßen, dass der Parteivorstand entschieden hat, im Programmentwurf nicht wie ursprünglich formuliert, den Begriff des Nationalsozialismus zu verwenden. Denn den von den deutschen Faschisten zur Selbstbezeichnung gewählten, gleichermaßen demagogischen wie verlogenen Begriff dürfen wir nicht übernehmen. Die deutschen Faschisten waren weder national noch sozialistisch.” (1)
Nach einem Moment des Entsetzens über diese gleichermaßen dummen wie Geschichte vergessen machenden Äußerungen ist es unsere Pflicht, den revisionistischen Tendenzen in der Partei „DIE LINKE“ entschieden entgegenzutreten.
Wir werten dies als einen Versuch, die spezifische Schuld und Verantwortung der Deutschen am Entstehen und Bleiben des Nationalsozialismus vergessen zu machen und die Singularität des deutschen Faschismus in Gestalt des Nationalsozialismus mit dem Kernelement der Shoa zu nivellieren. Die Erklärung der Shoah ist multikausal, doch die Ideologie des Antisemitismus bildet die zentrale Determinante. Der Antisemitismus der Nazis zielte bewusst auf den Völkermord - im Kontext eines biologistischen Rassismus, der alles an Radikalität hinter sich ließ, was die Welt bis dahin gesehen hatte. (11)
Dies ist ein Versuch, die „Wiedergutwerdung der Deutschen“ (Eike Geisel) zu betreiben. Entsetzlich, dass solche Vorgänge nun auch noch seitens der Kommunistischen Plattform befördert werden.
Wie simplizistisch Brombachers Verständnis von Faschismus und Nationalsozialismus
ist, zeigt schon die Unkenntnis des Rosenberg´schen Diktums:

„Das Wort ‚Nationalsozialismus‘ stellt als Hauptwort eine neue Synthese dar, die die Untrennbarkeit zweier Begriffe betont, während die Bezeichnung ‚nationaler Sozialismus‘ in Wirklichkeit nationaler Marxismus bedeutet oder bedeuten könnte.“ (2)
Der Schwur von Buchenwald, auf den sich Brombacher bezieht, vermerkt: “Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.” Nazi und Nazismus sind die Kurzform von „Nationalsozialismus“.
War die NSDAP nun national und/oder sozialistisch?
Dazu ziehen wir das 25-Punkte-Grundsatzprogramm der NSDAP heran. (3)

Dort lesen wir:
  1. Wir fordern den Zusammenschluß aller Deutschen auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Völker zu einem Groß-Deutschland.
  2. Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.
Sind das nicht nationalistische Forderungen?
  1. Abschaffung des Arbeits- und mühelosen Einkommens, Brechung der Zinsknechtschaft.
  2. Im Hinblick auf die ungeheuren Opfer an Gut und Blut, die jeder Krieg vom Volke fordert, muß die persönliche Bereicherung durch den Krieg als Verbrechen am Volke bezeichnet werden: Wir fordern daher restlose Einziehung aller Kriegsgewinne.
  3. Wir fordern die Verstaatlichung aller (bisher) bereits vergesellschafteten (Trusts) Betriebe.
  4. Wir fordern Gewinnbeteiligung an Großbetrieben.
  5. Wir fordern einen großzügigen Ausbau der Altersversorgung.
  6. Wir fordern eine unseren nationalen Bedürfnissen angepaßte Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke. Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung jeder Bodenspekulation.
Sind das nicht sozialistische Forderungen?
Wurde das auch umgesetzt, oder waren das lediglich Wahlkampfversprechen, um Stimmen zu fangen?
1933: Einführung des 1. Mai als Tag der Arbeit (gesetzlicher Feiertag)
1934: Steuerreform und Verdopplung der Urlaubstage
1940: Abschaffung der Steuern auf Zuschläge für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit
1941: Integration der Rentner in die Krankenkasse
1941: 15-prozentige Rentenerhöhung
ausserdem:
Die Körperschaftssteuer wurde von 20% auf 40% erhöht, Hauseigentümer mussten eine Sonderabgabe von acht Milliarden Reichsmark entrichten.

„Die sozialen Leistungen, wie zum Beispiel die Ausweitung der Sozialversicherungen, die Einbeziehung der Rentner in die Krankenversicherung, staatliche Darlehen für Hausbauer, Einführung von Kindergeld, Konzertaufführungen in Betrieben, Maßnahmen des Arbeitsschutzes und Arbeitspausen, dienten vor allem der Überzeugung und Gewinnung der Leute sowie der Stärkung der Arbeitskraft.“ (4)
Die NSDAP hatte Ende 1939 knapp 4 Millionen Mitglieder, bis 1945 wuchs diese Zahl auf 7,5 Millionen an. Es war also ein großer Teil der deutschen Bevölkerung Mitglied.
”Obwohl sich die Parteimitglieder zu einem Großteil aus dem Mittelstand rekrutierten, wies die NSDAP mit einem starken Arbeiteranteil eine ausgewogenere Sozialstruktur als alle anderen Parteien der Weimarer Republik auf. Als neuartige und sich modern darstellende “Volkspartei” warb sie in allen sozialen Schichten erfolgreich um Mitglieder und Wähler.” (5)
Die Hakenkreuzfahne wird von Hitler so charakterisiert: „Das rote Tuch, die Farbe der eisernen sozialen Gerechtigkeit, das Weiß, unsere heilige nationale Begeisterung, und das Hakenkreuz als Zeichen der Arbeit.“ (6)
Und was sagen Zeitzeugen?
“Wir faßten und fassen den Nationalsozialismus als eine bewußt antiimperialistische Bewegung auf, deren Nationalismus sich beschränkt auf Erhaltung und Sicherstellung des Lebens und des Wachstums der deutschen Nation ohne irgendwelche Herrschaftstendenzen über andere Völker und Länder. Für uns war und ist daher die Ablehnung des vom internationalen Kapitalismus und vom westlerischen Imperialismus betriebenen Interventionskrieges gegen Rußland eine selbstverständliche Forderung, die sich ebenso aus unserer Idee wie aus den Notwendigkeiten einer deutschen Außenpolitik ergibt. ...
Als Fundamentalsatz aus dem revolutionären Charakter des Nationalsozialismus stand und steht für uns die Ablehnung jeder wie immer gearteten Kompromiß- und Koalitionspolitik fest, da jede Koalition immer nur der Aufrechterhaltung des bestehenden Systems dient, als des Systems der nationalen Unfreiheit und der kapitalistischen Ausbeutung.“ so der Nationalsozialist Otto Strasser in einem Aufruf von 1930 unter dem Titel "Die Sozialisten verlassen die NSDAP" (7)
Strasser trat mit Datum vom 20. November 1925 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 23.918) und baute mit seinem Bruder Gregor Strasser und Joseph Goebbels einen „linken“, d.h. sozialrevolutionären Flügel auf. Die Brüder Strasser beherrschten die Berliner Parteiorganisation und entwickelten ein eigenständiges ideologisches Profil gegenüber dem süddeutschen Parteiflügel um Adolf Hitler. Sie verfochten – zunächst gemeinsam mit Goebbels, dem engen Mitarbeiter Gregor Strassers im Rheinland und in Westfalen – einen antikapitalistischen, sozialrevolutionären Kurs der NSDAP. (8)

Dann kommt Strasser zum Schluss:
„Als aufrechte, unbeugsame Bekenner des Nationalsozialismus, als glühende Kämpfer der deutschen Revolution lehnen wir jede Verfälschung des revolutionären Charakters, des sozialistischen Wollens und der nationalistischen Grundsätze des Nationalsozialismus ab und werden nunmehr außerhalb der ministeriell gewordenen NSDAP das bleiben, was wir immer waren. Revolutionäre Nationalsozialisten“ (7)
1934 ließ Hitler die übrigen Vertreter des antiimperialistisch-sozialistischen Parteiflügels, vor allem Ernst Röhm und Gregor Strasser, im „Röhm-Putsch“ ermorden.
Bis 1930 hatte die NSDAP also zumindest einen sozialistischen und antiimperialistischen Flügel, und war mit annähernd 3 Millionen Mitgliedern eine Massenpartei. Dieses zu leugnen muss vermutlich als fortgesetztes Beharren interpretiert werden, nicht wissen zu wollen.
Dieses Wissen zuzugestehen, müsste allerdings notwendigerweise eine innere Distanzierung von vergangener Identifikation erfordern und zu politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen führen. Auch die durchgangslose Einheit antiimperialistischer und antisemitischer Positionen (die sich heute im Antizionismus und Israelhass manifestieren), wäre dringend zu hinterfragen.
Der Wunsch, lieber vom Faschismus als vom Nationalsozialismus zu sprechen und dadurch die Klassenfunktion unter Ausschluss anderer Momente hervorzuheben, soll nun gar durch einen Begriffsausschluss betoniert werden.
Solch subjektivistische Theorien lassen die Besonderheiten des Nationalsozialismus außer Acht, so wird das Dritte Reich entweder mit dem Kapital oder mit dem Patriarchat identifiziert, jedenfalls in historisch unspezifischen Kategorien begriffen.
Theorie wird hierbei zu einer Form psychischer Verdrängung, Konzepte und Programme werden genutzt um eine unverstellte Wahrnehmung des Nationalsozialismus abzublocken.
„Diese Verkehrung der Funktion von Analyse nährte sich meines Erachtens aus der Abscheu und Schuld, die die Nachkriegsgeneration gegenüber der Nazi-Vergangenheit empfand. Mit dem Schuldgefühl war nur schwer umzugehen. Es war kaum zu greifen, da es ja nicht auf wirklicher Schuld beruhte. Die Verbindung von Abscheu und Schuld führte vielmehr zu einem Interesse am Nazismus, das durch Abwehrreaktionen gekennzeichnet war. Jene verhinderten eine Auseinandersetzung mit der Besonderheit der Vergangenheit, da ein Zugeständnis jener Besonderheit mit einem Eingeständnis von Schuld verbunden gewesen wäre. Als Ergebnis wurde der Nazismus als leere Abstraktion behandelt, die mit Kapitalismus, Bürokratie und autoritären Strukturen assoziiert wurde und einfach eine schlimmere Ausprägung der uns bekannten ‘Normalität’ gewesen sei. Dadurch wurde nicht nur die Besonderheit der deutschen Vergangenheit aufgehoben, sondern der Terminus ‘Faschismus’ durch rhetorische Inflation in seiner Bedeutung entwertet.“ (10)
Ellen Brombacher verkörpert eine linke Realität, die Eike Geisel so beschrieb: „Die Entwicklung der beiden letzten Jahrzehnte muß man also als Aufstieg vom hilflosen Antifaschismus zum hilflosen Antisemitismus bezeichnen. Beiden Konzepten eignet dieselbe Beschränktheit; beide sind ein Gemisch aus Kritik und Apologie; beide changieren zwischen Ablehnung und Anbiederung. Dem eingeschränkten Erklärungshorizont des hilflosen Antifaschismus entspricht die begrenzte Reichweite des neun Antisemitismus. Er ist doppelt hilflos, als Pädagogik wie als Propaganda.„ (9)

„Der einzige Gewinn für die Protagonisten des hilflosen Antisemitismus besteht darin, daß sie sich selbst demontieren und den Beginn der selbstverschuldeten Überflüssigkeit einläuten. Der Antisemitismus war einmal die erste Frage gewesen, in der sich Linke vom Rest der Gesellschaft unterschieden hatten. Nun scheint der Antisemitismus zur letzten Antwort geworden zu sein, welche sie beim vollzogenen Wandel durch Annäherung noch geben können. Aus der radikalen Abwehr des Antisemitismus ist am Schluß eine schwächliche Hinwendung zu ihm geworden.“
(9)
Dies gilt gleichermaßen für den nun eingeläuteten, hilflosen Antifaschismus der Partei DIE LINKE. Aus einer radikalen Abwehr wird eine schwächliche Hinwendung unter Negierung aller historischen Fakten.
Dringend notwendig wäre eine Auseinandersetzung um die innere Verbindung zwischen jener Art des Antikapitalismus und Antiimperialismus, der den Nationalsozialismus beeinflusste und dem Antisemitismus, der der Partei DIE LINKE solche enormen Probleme bereitet.
Moishe Postone warnte bereits 1974:
"Die Linke machte einmal den Fehler anzunehmen, daß sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte; oder umgekehrt: daß alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll – nicht zuletzt für die Linke selbst.” (10)
Kurz angesprochen werden soll auch die Quelle des Eingangszitates.
Die SED war im Nachkriegsdeutschland die erste Partei, die sich ehemaligen Nationalsozialisten öffnete. Bereits 1946 hob das SED-Zentralsekretariat einen entsprechenden Unvereinbarkeitsbeschluss auf. Somit konnten schon in den ersten Nachkriegsjahren massenhaft frühere Mitglieder der NSDAP, soweit sie in der Entnazifizierung als „Mitläufer“ eingestuft wurden, in die SED aufgenommen werden. Am 15. Juni 1946 fasste nach einer entsprechenden Einführung von Wilhelm Pieck das SED-Zentralsekretariat den neuen grundlegenden Beschluss zur Aufnahme der ehemaligen Mitglieder der NSDAP in die SED. (12)
Die kontinuierliche Tätigkeit von hochrangigen und aktiven Nationalsozialisten nach der „Entnazifizierung“ in der späteren SED (beziehungsweise DDR) führt deutlich vor Augen, dass die Entnazifizierung im „antifaschistischen Staat“ ähnlich interessegeleitet von Statten ging, wie im westlichen Staat der BRD. Insbesondere die Transformation des Antisemitismus der Nazizeit zum Antizionismus der DDR harrt noch der Aufklärung durch Historiker. Ein Anfang ist gemacht, Olaf Kappelt und das „Braunbuch DDR - Nazis in der DDR“ (14)
„Der Autor, Olaf Kappelt, ist, daran lässt er keinen Zweifel, ein Vertreter der bürgerlichen Soziologie. Der positivistische Soziologe René König lieferte ihm die Untersuchungsmethode, wie sie in der bürgerlichen Empirischen Sozialforschung gang und gäbe ist; die sich expressis verbis als Gegenentwurf zur Kritischen Theorie versteht und mit dieser um den ideologischen Einfluss - vornehmlich an den westdeutschen - Universitäten ringt. Folgerichtig hängt Kappelt politisch der Totalitarismus-These "rot=braun" an.
Kurzum, bei dem hier vertretenen Wissenschaftsverständnis und den platten Propagandasprüchlein in den Vorwörtern gehen einem als Linken die Nackenhaare schon hoch. Dennoch befördert Kappelt schlussendlich gestützt auf seine rot=braun-These Tatsachenmaterial zu Tage, das Deutschland quer zu den politischen Absichten des Herrn Habsburg sehr wohl diskreditiert. Daran kommt man als Linker nicht vorbei.“ (13)

Vergleiche auch: "Wie links war die NSDAP?", von Götz Aly
Quellen:
  1. http://www.freiheit-durch-sozialismus.de/?p=56
  2. Alfred Rosenberg, "Nationaler Sozialismus oder Nationalsozialismus" 1923
  3. http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/nsdap25/index.html
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/Zeit_des_Nationalsozialismus#Sozialpolitik
  5. http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/innenpolitik/nsdap/index.html
  6. Adolf Hitler, Rede vom 9. Mai 1926 in Estin
  7. Der Nationale Sozialist vom 4. Juli 1930 zitiert nach Reinhard Kühnl "Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten", S. 122ff
  8. http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Strasser
  9. Eike Geisel,“Der hilflose Antisemitismus“ aus: Konkret 1/93
  10. Moishe Postone in „Antisemitismus und Nationalsozialismus“, ça ira Verlag
  11. vgl. Yehuda Bauer „Die dunkle Seite der Geschichte: Die Shoah in historischer Sicht. Interpretationen und Re-Interpretationen“
  12. http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Einheitspartei_Deutschlands#.C3.96ffnung_der_SED_f.C3.BCr_ehemalige_Mitglieder_der_NSDAP
  13. http://www.trend.infopartisan.net/trd7809/t157809.html
  14. http://www.amazon.de/Braunbuch-DDR-Nazis-Olaf-Kappelt/dp/3939929123