Was?

"Die Linke machte einmal den Fehler anzunehmen, daß sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte; oder umgekehrt: daß alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll – nicht zuletzt für die Linke selbst.” Moishe Postone, 1974

"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse." Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009

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Samstag, 30. Juli 2011

"... a considerable Jewish problem"

VON THOMAS VON DER OSTEN-SACKEN

Dass einige Antisemiten von sich behaupten, den Zionismus zu unterstützen, ist keineswegs neu. Schon in den 20er Jahren gab es unter Völkischen und Nazis  eine Strömung, die offen mit der zionistischen Bewegung sympathisierte: Man habe ein Judenproblem, wenn sie sich zu assimilieren versuchten, eine Staatsgründung in Palästina dagegen könne durchaus eine Lösung sein. Schließlich waren auch nicht alle Nazis erklärte Befürworter der Endlösung, bis Ende der 30er Jahre kursierten noch immer Pläne für eine Deportation der Juden etwa nach Madagaskar. Einig dagegen waren sich alle, dass die Assimilation auf jeden Fall rückgängig gemacht werden müsse, zerstörten und zersetzen die Juden doch Gesellschaft und Staat.
Dass sie Unterstützung ausgerechnet von Antisemiten erhielten ist eine der Tragödien des Zionismus, dessen Gründungsväter schließlich früh erkannt hatten, dass Antisemitismus nicht mit der Moderne verschwinde, sondern sich lediglich transformiere und sogar bösartiger werde. Sie hielten den Judenhass für eine Invariante, der einzig mit Schaffung einer „nationalen Heimstätte“ zu begegnen sei. Glaubten einige damals noch mit solch nationaler Normalisierung könne man auch die Wurzeln des Antisemitismus bekämpfen, setzten die Pessimisten (die leider zugleich die Realisten waren) auf  Eigenstaatlichkeit, die eben Souveränität und damit auch die Möglichkeit bewaffneter Verteidigung einschloss. Über die Jahre hinweg gab es immer eine Fraktion der europäischen Antisemiten, die das zionistische Projekt durchaus mit gewissen Sympathien begleitete und dabei weiter das Problem der assimilierten Juden thematisierte, die doch besser nach Israel auswandern sollten. Denn die Juden waren es in ihren Augen, die in Psychoanalyse, Sexualwissenschaft, Ökonomie und Philosophie dominierten und mit ihren revolutionären und zersetzenden Schriften das Abendland schwächten und zerstörten.
Mit ungebrochenem Hass denunzierten sie dagegen vor allem die USA, in denen angeblich jüdische Finanziers die Weltherrschaft anstrebten, überhaupt sei Amerika ein Land der Rassenvermischung und sexuellen Freizügigkeit, dominiert von Konsumismus und Oberflächlichkeit.
Neu ist dagegen seit einiger Zeit, dass europäische Rechtsparteien Israel als vermeintlichen Alliierten im Kampf gegen die islamische Bedrohung entdecken und den jüdischen Staat ins Abendland eingemeinden wollen (Abendland wohlgemerkt immer als Kampfbegriff nicht nur gegen den Islam, sondern auch den als Sinnbild angloamerikanischer Dominanz abgelehnten Begriff des Westens). Entsprechend liest sich auch die sog. Jerusalemer Erklärung von Schwedenpartei, FPÄ et. al..
In dieser Tradition steht der Massenmörder Andreas Breitvik, der in seinem Manifest allerdings nicht, wie die Autoren der Jerusalemer Erklärung, allen Israelis ein “Recht auf Heimat” zugesteht, sondern nur nationalistische Israelis voll und ganz unterstützt und am liebsten heute alle arabischen Israelis deportieren würde, zugleich den USA aber ein echtes Judenproblem attestiert:
(Warum es in Westeuropa mit Ausnahme von Frankreich und England keinJudenproblem gibt, verschweigt er an dieser Stelle vorsichtshalber, ohne Auschwitz jedenfalls gäbe es auch hier ein “considerable Jewish problem")
There is no Jewish problem in Western Europe (with the exception of the UK and France) as we only have 1 million in Western Europe, whereas 800 000 out of these 1 million live in France and the UK. The US on the other hand, with more than 6 million Jews (600% more than Europe) actually has a considerable Jewish problem.
Breitvik teilt, wie alle anderen Antisemiten auch, die Welt in gute und böse Juden ein. Böse sind, wie könnte es anders sein, die assimilierten Juden, oder in seinen Worten die Marxisten/ Multikulturalisten, die ebenso in Europa, den USA wie auch in Israel selbst leben:
Were the majority of the German and European Jews disloyal? Yes, at least the so called liberal Jews, similar to the liberal Jews today that oppose nationalism/Zionism and support multiculturalism. Jews that support multiculturalism today are as much of a threat to Israel and Zionism (Israeli nationalism) as they are to us. So let us fight together with Israel, with our Zionist brothers against all anti-Zionists, against all cultural Marxists/multiculturalists….So, are the current Jews in Europe and US disloyal? The multiculturalist (nation-wrecking) Jews ARE, while the conservative Jews ARE NOT.  Aprox. 75% of European/US Jews support multiculturalism while aprox. 50% of Israeli Jews does the same. This shows very clearly that we must embrace the remaining loyal Jews as brothers rather than repeating the mistake of the NSDAP. Whenever I discuss the Middle East issue with a national socialist he presents the anti-Israeli and pro-Palestine argument. He always seem unaware of the fact that his propaganda is hurting Israeli nationalists (who want to deport the Muslims from Israel) and that he is in fact helping the Israeli cultural Marxists/multiculturalists with his argumentation.
Breitvik erfindet den israelischen Nationalisten, der, wie er selbst zugibt, eine Minderheit ausmacht, um ihn im Kampf gegen Muslime und Marxisten zu unterstützen. Alle anderen Juden aber müssen (wie die entsprechenden Nichtjuden auch), so sie Marxisten sind, exekutiert werden, oder gehören, fallen sie unter die Definition liberale Multikulturalisten, ghettoisiert. Da gibt es leider keine Ausnahmen.
Wer so nach der Loyalität von Juden fragt und im selben Atemzug zum Kampf gegen Liberale und Marxisten aufruftsteht in der schrecklichsten Tradition des deutsch-europäischen Antisemitismus. Ihn einen Freund Israels zu nennen oder gar als pro-zionistisch zu bezeichnen, kann nur, wer entweder über keinerlei Begriff von Antisemitismus verfügt oder aber übelste Demagogie betreiben will.

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