Was?

"Die Linke machte einmal den Fehler anzunehmen, daß sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte; oder umgekehrt: daß alle Formen des Antikapitalismus zumindest potentiell fortschrittlich seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll – nicht zuletzt für die Linke selbst.” Moishe Postone, 1974

"Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen... mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse." Robert Kurz, "Der Krieg gegen die Juden" 2009

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Samstag, 30. April 2011

Kampf gegen Israel – differenzierter gesehen


Wichtig ist es, gerade in der Politik, die Dinge differenziert zu betrachten. Am besten: differenzierter. Insbesondere, wenn sich die Sachlage ein wenig komplizierter darstellt, kommt es ganz wesentlich darauf an, die Dinge differenzierter zu sehen. Nehmen wir – nur mal so als Beispiel: Israel. Ganz kompliziert. Wenn Sie da nicht höllisch aufpassen …
Angenommen, Ihnen ist danach, Israel zu boykottieren. Also den Kauf israelischer Produkte. Kein Problem, können Sie machen. Aber, und jetzt kommt´s: die Begründung muss stimmen! Wenn Sie also beim nächsten Mal im Supermarkt statt der Jaffa-Orangen die Apfelsinen aus Spanien nehmen, ist das so weit absolut in Ordnung … wenn Sie dieses kritische Verbraucherverhalten differenziert begründen können.
Klare Sache: Sie weisen die Kassiererin auf Ihre fortschrittlichen, antiimperialistischen und humanistischen Motive hin, und machen darauf aufmerksam, dass Sie jegliches Wiederaufleben des alten Antisemitismus richtiggehend anwidert. Sollte die Kassiererin wegen der der kapitalistischen Ausbeutung geschuldeten Arbeitshetze oder wegen ihres defizitären sozialistischen Bewusstseins nicht das rechte Interesse an Ihren Erläuterungen zeigen, kein Problem: Hauptsache bei den Zionisten kommt die Botschaft an.
Und die, also die Zionisten, bekommen so etwas ganz genau mit. Davon können Sie mal ausgehen! Ihr Bestreben, die Existenz Israels zu beenden, oder sagen wir besser: Palästina zu befreien, ist ihm nämlich ein Dorn im Auge, dem Zionisten. Wenn dagegen so Rechtsradikale oder Neonazis daherkommen und den Holocaust leugnen, dann kommt ihm das im Grunde sehr entgegen. Denn das ist ja sozusagen Wasser auf die Mühlen seiner Propaganda. Man muss sich beinah fragen, ob er nicht selbst dahintersteckt, wenn mal wieder so ein antisemitischer Unfug erzählt wird.
Merke also: Holocaust Leugnen, brauchen wir gar nicht groß drüber zu reden, geht gar nicht. Man sagt auch nichts gegen Juden. “Zionisten” heißt das! Mein Gott noch mal! Wann kriegt man das endlich in die Köpfe, dass Juden und Israel zwei ganz verschiedene Angelegenheiten sind?! Wie gesagt: ein Beispiel dafür, dass es manchmal kaum ausreicht, die Dinge differenziert zu sehen. Man sollte sie differenzierter sehen.
Das findet auch Hermann Dierkes, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Duisburger Stadtrat. Als kürzlich so ein gänzlich undifferenziertes Flugblattauf der Website der Duisburger Linkspartei gelandet ist, hat er seine Fraktionsogleich beschließen lassen: “Berechtigte Kritik an der israelischen Unterdrückungspolitik gegenüber den Palästinensern darf nicht mit antisemitischen Klischees und der Leugnung des Holocaust vermengt werden.”
Man mag es für ein wenig undifferenziert halten, dass nun ausgerechnet die Ratsfraktion zu dem ”fälschlich veröffentlichten” Flugblatt Stellung bezieht, weil in Duisburg insbesondere in Bezug auf Dierkes´ Aktivitäten (bislang?) die eiserne Regel gegolten hat, dass das Thema Israel / Palästina nichts, aber auch gar nichts mit Kommunalpolitik zu tun habe. Wie dem auch sei: das Grundprinzip ist richtig erkannt.
“Berechtigte Kritik” ja, “an der israelischen Unterdrückungspolitik” gern, aber bitte nicht vermengen “mit antisemitischen Klischees und der Leugnung des Holocaust”! Dass es ohnehin irgendwie besser wäre, auf antisemitische Klischees und der Leugnung des Holocausts gänzlich zu verzichten, findet sich zwar nicht ausdrücklich im Statement, dürfte aber der Duisburger Linksfraktion im Rahmen einer Koalitionsrunde abzuringen sein.
Nun gut, dies soll uns hier nicht weiter interessieren. Duisburger Kleinigkeiten, die im weltweiten antiimperialistischen Kampf nicht weiter ins Gewicht fallen. Wir merken uns einfach: auf die richtige Begründung kommt es an. Im Juni macht sich die nächste Gaza-Hilfsflotille auf, dann stehen auch hier wieder einige Aktionstage an. Ich möchte, dass das bis dahin sitzt! Noch einmal so eine Peinlichkeit wie jetzt mit diesem Fascho-Flugblatt, und ich drehe ab.
Das Beste ist, wir üben das mal. Was ist progressiv, antiimperialistisch, oder mit einem Wort: gut? Und was geht total nicht, weil objektiv irgendwie faschistisch? Wie ist es zum Beispiel damit?
“Ansätze zum Frieden, die sogenannten friedlichen Lösungen und die internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinafrage stehen sämtlichst im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung. Denn auf irgendeinen Teil Palästinas zu verzichten bedeutet, auf einen Teil der Religion zu verzichten; der Nationalismus der Islamischen Widerstandsbewegung ist Bestandteil ihres Glaubens.” (1)
Richtig! Das ist voll okay. Sicher, für unseren Geschmack ein bisschen viel Religion und Nation; doch der Revolutionär hat immer auch die nationalen Besonderheiten zu beachten. Nächstes Beispiel:
“Die zionistische Invasion ist auf verschlagene Weise bösartig. Sie schreckt nicht davor zurück, verschlungene Wege zu wählen und alle verabscheuungswürdigen und widerwärtigen Mittel anzuwenden, um ihre Ziele zu erreichen. Um sich einmischen und Spionageaktivitäten vornehmen zu können, ist sie in großem Maß auf die Geheimorganisationen angewiesen, z.B. die Freimaurer, die Rotary Clubs, Lions und andere. All diese Geheimorganisationen, von denen einige auch offen arbeiten, agieren für die Interessen des Zionismus und wollen unter dessen Anleitung die Gesellschaften zerstören, Werte vernichten, Verantwortlichkeiten ausschalten, Tugenden ins Schwanken bringen und den Islam auslöschen. Sie steht hinter der Verbreitung von Drogen und Giften aller Art, die ihr Machtausübung und Machtausdehnung erleichtern sollen.” (2)
Und? Sie sind unsicher. Aha. Nehmen wir noch ein Beispiel:
„Die Stunde des Gerichtes wird nicht kommen, bevor Muslime nicht die Juden bekämpfen und töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken und jeder Baum und Stein wird sagen: ‘Oh Muslim, oh Diener Allahs, ein Jude ist hinter mir, komm und töte ihn!’“ (3)
Ganz genau: das war jetzt einfacher. Richtig: da brauchen wir gar nicht groß drüber zu reden, das geht gar nicht. Ich merke schon: das kriegen wir hin bis Juni, bis zur Gaza-Hilfsflotille. Jetzt schon diese differenzierte Sicht der Dinge, das lässt doch hoffen! Zumal alle drei Zitate aus ein und demselben Dokument entstammen. Da sieht man mal wieder, wie weit man es bringen kann, wenn man sich angewöhnt hat, alles viel differenzierter zu sehen. Von Werner Jurga
(1) Charta der Hamas, von 1988, nach wie vor gültig, Artikel 13.
(2) Hamas-Charta, Art. 28.
(3) Hamas-Charta, Art. 7.
Quelle: Ruhrbarone

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